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Live-Sonar

Live-Sonar (auch Echtzeit-Sonar oder Forward Facing Sonar) bezeichnet Echolottechnik, die das Unterwassergeschehen als bewegtes Bild zeigt – auch wenn das Boot stillsteht. Du siehst deinen Köder sinken und den Fisch, der darauf zuschwimmt, in dem Moment, in dem es passiert. Die drei großen Systeme heißen LiveScope (Garmin), ActiveTarget (Lowrance) und MEGA Live Imaging (Humminbird). Sie sind untereinander nicht kompatibel: Der Geber muss zur Marke deines Echolots passen.

Warum das etwas grundlegend anderes ist

Ein klassisches Echolot schreibt Geschichte. Es pingt senkrecht nach unten, und das Echo wandert als schmaler Streifen über den Bildschirm. Ganz rechts steht die Gegenwart, alles links davon ist Vergangenheit. Fährst du über einen Fisch, siehst du seine Sichel – aber erst, wenn du schon drüber weg bist. Und wenn du stehen bleibst, entsteht die berüchtigte Spaghetti-Linie: lauter waagerechte Striche, weil sich unter dem Geber nichts ändert.

Live-Sonar baut stattdessen mehrmals pro Sekunde ein komplettes Bild eines Sektors auf. Das Ergebnis ist kein Diagramm mehr, sondern etwas, das man tatsächlich als Film lesen kann. Du erkennst, ob ein Fisch deinen Köder anschaut oder ignoriert. Du siehst, auf welcher Höhe er steht. Du merkst sofort, wenn du den Spot leergefischt hast, statt noch zwanzig Minuten blind weiterzuwerfen.

Technisch steckt dahinter meist Phased-Array- oder Multi-Beam-Technik: Der Geber schwenkt seinen Sendekegel elektronisch über einen Sektor, statt starr in eine Richtung zu senden. Dazu kommt bei praktisch allen Systemen ein AHRS-Sensor, der die Bootsbewegung herausrechnet – ohne diese Stabilisierung wäre das Bild bei Welle unbrauchbar.

Die drei Blickrichtungen

Die Hersteller nennen sie unterschiedlich, gemeint ist überall dasselbe Prinzip:

  • Forward – Blick nach vorn. Die Suchansicht. Der Geber sitzt meist am Schaft des Elektro-Bugmotors und dreht sich mit ihm mit.
  • Down – Blick senkrecht nach unten. Fürs Vertikalangeln, wenn der Köder direkt unter dem Boot hängt.
  • Perspective / Scout / Landscape – flache Übersicht auf das Umfeld, fast wie eine Landkarte. Stark im Flachwasser und beim Absuchen von Kanten und Uferlinien.

Die drei Systeme im Vergleich

Garmin LiveScope 2 Lowrance ActiveTarget 2 Humminbird MEGA Live 2
Geber LVS44 / LVS42HD AT2 / AT2 XL MEGA Live Imaging 2
Separate Box nötig? nein ja (Sonarbox) nein
Abdeckung 20°×165° forward
20°×180° down
18°×135°
XL: 20°×180°
20°×120°
Max. Tiefe 76 m (LVS44)
38 m (LVS42HD)
ca. 60 m über Vorgänger (46 m)
Ansichten Forward, Down, Perspective Forward, Down, Scout Forward, Down, Landscape
Kompatibel mit Panoptix-fähige Garmin-Plotter HDS PRO, HDS Live,
HDS Carbon, Elite FS
Xplore, SOLIX G3, APEX

Die wichtigste Zeile ist die letzte. Live-Sonar bindet dich an eine Marke. Du kannst keinen LiveScope-Geber an ein Lowrance-Gerät hängen und kein ActiveTarget an einen Humminbird. Wer über Live-Sonar nachdenkt, entscheidet damit faktisch auch über die Gerätemarke an Bord – und umgekehrt.

Sonderfall tiefe Gewässer

Alle drei Systeme sind auf typische Binnengewässer ausgelegt und steigen zwischen etwa 40 und 76 m aus. Wer in Norwegen auf Heilbutt oder Leng geht oder auf tiefen Talsperren fischt, braucht mehr: Dafür gibt es das Garmin LiveScope XR (LVS62), das im Süßwasser bis rund 150 m und im Salzwasser bis 105 m reicht.

Günstiger Einstieg ohne separate Box

Live-Sonar war lange eine vierstellige Investition. Inzwischen gibt es Einstiegslösungen, bei denen der Live-Geber direkt am Gerät hängt: Der Lowrance Eagle Eye Live XDCR vereint CHIRP, Down Imaging sowie Live Down und Live Forward in einem Geber und kommt ohne Sonarbox aus. Er funktioniert allerdings ausschließlich am Eagle Eye 9 Live. Der Unterschied zu einem ActiveTarget 2: Der Eagle-Geber deckt pro Richtung nur einen Sonarbereich ab statt drei.

Bei Garmin übernimmt der Panoptix LiveScope LVS12 diese Rolle – 61 m Reichweite, keine Blackbox nötig.

Häufige Fragen zu Live-Sonar

Brauche ich Live-Sonar wirklich zum Angeln?

Brauchen nicht. Es verändert aber die Art zu fischen: Du siehst Reaktionen statt nur Positionen und kannst unproduktive Spots viel schneller abschreiben. Wer viel Zeit auf dem Wasser hat, holt das schneller raus, als er denkt.

Kann ich einen Live-Geber einer anderen Marke anschließen?

Nein. LiveScope, ActiveTarget und MEGA Live Imaging arbeiten nur mit den jeweils eigenen kompatiblen Echoloten. Es gibt keine Adapterlösung.

Wo wird der Live-Geber montiert?

Am häufigsten am Schaft des Elektro-Bugmotors, damit der Sichtbereich mit dem Motor mitdreht. Alternativ am Heckspiegel oder an einer separaten Geberstange. Humminbird bietet mit dem MEGA Live TargetLock zusätzlich eine motorisierte Stange, die sich unabhängig vom Bugmotor ausrichtet.

Funktioniert Live-Sonar auch im Salzwasser?

Ja, allerdings mit geringerer Reichweite als im Süßwasser. Beim LiveScope XR nennt Garmin beispielsweise 150 m Süßwasser gegenüber 105 m Salzwasser.

Was ist der Unterschied zwischen Live-Sonar und CHIRP?

CHIRP ist ein Sendeverfahren, das die Bildqualität eines klassischen Echolots verbessert. Live-Sonar ist eine andere Darstellungsart – bewegtes Bild statt scrollendem Verlauf. Die meisten Boote haben beides an Bord.

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