Wie die Kartenplattform von Humminbird funktioniert – vom Sonarpiepser bis zur fertigen Tiefenkarte.

Kurz gesagt: AutoChart ist Humminbirds System, mit dem du aus den Sonarechos deines eigenen Echolots eine Tiefenkarte deines Gewässers baust – auch dort, wo es keine fertige Seekarte gibt. Das System hat drei Teile: die Aufnahme direkt am Gerät, die PC-Software zum Nachbearbeiten und eine kostenlose Online-Plattform namens LiveShare, über die Angler ihre Tiefendaten miteinander tauschen.

Bei uns in Europa ist das Thema noch ziemlich unbekannt. Wer ein passendes Humminbird auf dem Boot hat, verschenkt damit oft die interessanteste Funktion des Geräts – und die Möglichkeit, für einen See eine Karte zu bekommen, die es sonst nirgends gibt. Dieser Artikel erklärt den kompletten Weg der Daten: was wo entsteht, was du brauchst, und wo die Grenzen liegen.

1. Was Humminbird AutoChart ist

Dein Echolot misst beim Fahren ohnehin permanent die Tiefe und weiß über GPS, wo es gerade ist. AutoChart nimmt genau diese zwei Informationen und macht daraus Tiefenlinien – eine Karte deines Gewässers, aufgenommen von deinem Boot.

Das System besteht aus drei Bausteinen, die oft durcheinandergeworfen werden:

  • Die Aufnahme am Gerät: Die Funktion heißt bei Humminbird AutoChart Live und steckt direkt im Echolot. Du fährst dein Gewässer ab, das Gerät zeichnet mit und legt die Tiefenlinien über die Kartenansicht.
  • Die PC-Software: AutoChart und AutoChart PRO laufen auf dem Rechner. Damit bearbeitest du deine Aufzeichnungen nach, glättest Lücken, kombinierst mehrere Touren und exportierst das Ergebnis wieder aufs Boot. AutoChart PRO ist die größere Version mit zusätzlichen Auswertungen.
  • Die Community-Plattform: AutoChart LiveShare ist ein kostenloser Onlinedienst, auf dem Angler ihre Tiefendaten hochladen und die Daten anderer herunterladen. Wer selbst nichts aufnehmen will, kann trotzdem nachsehen, ob jemand anders sein Gewässer schon vermessen hat.

Der entscheidende Punkt: Diese drei Bausteine haben unterschiedliche Voraussetzungen. Ein Gerät, das aufzeichnen kann, darf nicht automatisch an der Community teilnehmen – dazu weiter unten mehr.

Selbst aufgenommene Tiefenlinien in der Kartenansicht eines Humminbird Echolots

2. So wandern deine Daten vom Echolot in die Karte

Wenn du einmal verstanden hast, wo die Daten unterwegs liegen, erklären sich die meisten Fragen von selbst. Der Weg sieht so aus:

  1. Am Gerät: Du startest die Aufzeichnung und fährst dein Gewässer ab. Die Daten landen zunächst im internen Speicher des Echolots.
  2. Auf die Karte: Steckt eine Zero-Line-Karte im Gerät, wandern die Aufzeichnungen dorthin. Damit sind sie gesichert und lassen sich auch auf einem zweiten Humminbird anzeigen.
  3. An den Rechner: Die Karte kommt in den Kartenleser am PC. Die AutoChart-Software liest deine Aufzeichnungen ein, du bearbeitest sie und exportierst sie wieder zurück auf die Karte.
  4. In die Community: Vom Rechner aus lädst du deine Dateien bei LiveShare hoch. Umgekehrt lädst du dort Daten anderer herunter und kopierst sie auf deine Zero-Line-Karte.

Auffällig daran: Die Zero-Line-Karte ist an jeder Station beteiligt. Sie ist nicht optionales Zubehör, sondern das Transportmittel für alles, was AutoChart macht. Ohne sie bleibt jede Aufzeichnung im Gerät gefangen – und zwar nur für begrenzte Zeit.

3. Die 8-Stunden-Grenze und die Zero-Line-Karte

Humminbird AutoChart Zero Line microSD Karte Europa mit SD Adapter

Der interne Speicher deines Echolots fasst acht Stunden Aufzeichnung. Humminbird versteht das ausdrücklich als kostenlose Testphase – damit du die Funktion ausprobieren kannst, bevor du Geld ausgibst.

Sind die acht Stunden voll, meldet sich das Gerät. Dann hast du genau zwei Möglichkeiten: Aufzeichnung beenden, oder alle acht Stunden komplett löschen und von vorn anfangen. Einzelne Touren herauspicken geht nicht. Wer ein größeres Gewässer systematisch vermisst, ist damit schnell am Ende.

Mit eingesteckter Zero-Line-Karte läuft das anders: Die Aufzeichnungen wandern auf die Karte, der interne Speicher ist wieder frei, und du hast erneut acht Stunden. Das lässt sich beliebig wiederholen. Nebeneffekt: Über denselben Weg bekommst du deine Daten auch auf ein zweites Gerät, das AutoChart unterstützt.

Kleiner Hinweis fürs Budget: Beim Kauf von AutoChart oder AutoChart PRO liegt eine Zero-Line-Karte bereits bei. Wer mit der Software einsteigt, muss sie also nicht separat kaufen – eine zweite Karte kann sich trotzdem lohnen, etwa als Sicherung oder fürs zweite Echolot.

4. Karten aus der Community herunterladen

Das ist für die meisten der interessantere Weg: nachsehen, ob jemand anders dein Gewässer schon abgefahren hat. Der Dienst liegt auf ChartSelect, Humminbirds Kartenportal. Du meldest dich dort mit deinem Humminbird-Konto an – dasselbe Konto, mit dem du dich auch in der One-Boat-Network-App anmeldest. Wer noch keins hat, legt es kostenlos an.

Schritt für Schritt

  1. Im Konto den Bereich LiveShare öffnen.
  2. In der Kartenansicht dein Gewässer suchen und so weit hineinzoomen, bis Tiefenlinien sichtbar werden. Erst dann gibt es etwas zum Herunterladen – siehst du nichts, hat für dieses Gewässer noch niemand Daten beigesteuert.
  3. Den Download für den sichtbaren Ausschnitt starten.
  4. Die heruntergeladene Datei auf die Zero-Line-Karte kopieren.
  5. Karte ins Echolot stecken, fertig.

Zwei Stolpersteine

Nicht entpacken. Die Datei kommt als Archiv. Das bleibt so, wie es ist – dein Echolot packt sie beim Einstecken selbst aus und legt die Inhalte an die richtige Stelle.

Nicht in einen Unterordner legen. Die Datei gehört direkt auf die Karte, nicht in einen der vorhandenen Ordner. Wer sie einsortiert, wundert sich hinterher, warum nichts angezeigt wird.

Danach wählst du am Gerät AutoChart als Kartenquelle aus, und die Konturen aus der Community liegen über deiner Ansicht.

Tiefenkonturen aus der AutoChart-LiveShare-Gemeinschaftskarte

5. Eigene Aufzeichnungen hochladen

Der umgekehrte Weg: Du steckst deine Zero-Line-Karte in den Kartenleser am Rechner, meldest dich bei ChartSelect an und lädst deine Dateien über den Bereich für eigene Daten hoch. Nach spätestens einer Viertelstunde sind sie in die Gemeinschaftskarte eingerechnet.

Diese vier Dateitypen nimmt der Dienst an

  • .ACU – Aufzeichnungen, die direkt am Echolot entstanden sind.
  • .ACD – Karten aus der AutoChart-PC-Software. Das ist die Brücke für alles, was du am Rechner bearbeitet hast.
  • .HT – Trackaufzeichnungen von HELIX-Geräten und älteren Modellen.
  • .GPX – Trackaufzeichnungen von SOLIX und ONIX.

Die beiden Track-Formate sind der Grund, warum auch Besitzer nicht-kompatibler Geräte mitmachen können: Ein aufgezeichneter Track enthält Tiefe und Position, und mehr braucht die Plattform nicht.

Rohe Sonaraufzeichnungen gehen nicht direkt

Die großen Sonardateien, die dein Gerät beim Mitschneiden anlegt, kannst du nicht hochladen. Wer die PC-Software besitzt, hat aber einen Umweg: Sie liest diese Dateien ein und exportiert sie in ein Format, das die Plattform annimmt. Damit lassen sich auch alte Aufzeichnungen aus der Schublade noch in Karten verwandeln.

Alles, was du hochlädst, ist öffentlich

Das gehört klar gesagt: Eine private Ablage gibt es nicht. Jeder Upload geht an die weltweite Gemeinschaftskarte und ist für alle sichtbar und herunterladbar. Wer seine Hausstelle für sich behalten will, lädt sie nicht hoch – die Daten lokal auf Karte und Rechner zu nutzen, geht selbstverständlich trotzdem.

Aufzeichnungen werden in der AutoChart PC Software in Kartendaten umgewandelt

6. Was nicht geteilt wird

Bodenhärte-Darstellung in der AutoChart PRO Software

Hier wird es für viele überraschend: Über die Community werden ausschließlich Tiefendaten ausgetauscht. Nichts anderes.

Dein Echolot nimmt beim Kartieren mehr auf als nur die Tiefe – je nach Gerät auch die Bodenhärte und die Vegetation. Beides sind Ebenen, die man beim Angeln gern hätte: Wo ist Hartgrund, wo steht Kraut. Genau diese beiden Ebenen bleiben aber lokal. Sie lassen sich weder hochladen noch von anderen herunterladen.

Praktisch heißt das: Eine heruntergeladene Gemeinschaftskarte gibt dir die Tiefenstruktur eines fremden Gewässers, aber kein Bild vom Untergrund. Wer Bodenhärte und Vegetation für seine Stellen haben will, muss selbst rausfahren und aufzeichnen – und dafür ein Gerät haben, das diese Ebenen direkt auf die Karte schreiben kann.

Das ist kein Mangel, sondern nachvollziehbar: Tiefendaten sind zwischen Booten vergleichbar, Härte- und Krautwerte hängen stark von Geber, Einstellungen und Jahreszeit ab. Ein Krautfeld im Mai sieht im September anders aus.

7. Welches Echolot kann was

Das ist der Punkt, an dem die meisten Missverständnisse entstehen – weil zwei verschiedene Gerätelisten im Spiel sind. Ein Echolot kann durchaus aufzeichnen und trotzdem nicht an der Community teilnehmen.

Aufzeichnen

Die Aufnahmefunktion steckt in einer ganzen Reihe Geräte: APEX, SOLIX, ONIX und ION, die HELIX-Modelle 8 bis 15 sowie die GPS-Varianten der HELIX 7 und HELIX 5 ab der zweiten Generation. Auch ältere Geräte sind also dabei.

Ob deine Aufzeichnungen dann direkt auf die Zero-Line-Karte geschrieben werden können – und damit auch Bodenhärte und Vegetation –, ist noch einmal eine eigene Frage. Die vollständige Übersicht dazu steht auf der Produktseite der Zero-Line-Karte, inklusive Tabelle nach Serien.

An der Community teilnehmen

Hier ist der Kreis kleiner. Humminbird nennt dafür die Serien APEX, SOLIX und ONIX, alle HELIX-Modelle von 8 bis 15 sowie die GPS-fähigen HELIX 7 in den vernetzbaren Ausführungen. Eine Zero-Line-Karte muss in jedem Fall stecken.

Die HELIX 5 taucht hier nicht auf. Wer eine hat, kann also sein Gewässer aufzeichnen und die Karte am eigenen Gerät nutzen – der direkte Weg in die Community steht ihm aber nicht offen. Das ist keine Einstellungssache und lässt sich auch nicht per Update lösen.

Der Ausweg für alle, deren Gerät nicht auf der Liste steht: Trackdateien. Die kann praktisch jedes GPS-fähige Humminbird aufzeichnen, und sie werden von der Plattform angenommen. Der Beitrag ist etwas gröber als eine echte Kartierung, aber er zählt – und Herunterladen und Ansehen der Gemeinschaftskarte funktioniert ohnehin für jeden mit Konto.

Welche Geräte aktuell im Programm sind und was sie können, findest du in der Übersicht der Humminbird Kartensoftware.

Humminbird Echolote, die AutoChart und den Kartentausch unterstuetzen

8. Konturen automatisch abfahren

Tiefenlinien einer selbst aufgezeichneten AutoChart-Karte

Eine selbst erstellte Karte ist nicht nur zum Anschauen da. Ist ein vernetzter Minn-Kota-Bugmotor an Bord, kann der eine Tiefenlinie selbstständig abfahren. Du wählst die Linie auf dem Echolot aus, der Motor hält sie – in beide Richtungen, auf Wunsch mit festem Abstand, damit du bequem darauf werfen kannst.

Das Interessante daran: Diese Funktion braucht eine Karte mit Tiefenlinien. Auf einem Gewässer ohne fertige Seekarte lief bis dahin gar nichts. Mit einer selbst aufgenommenen AutoChart-Karte funktioniert sie auch dort – das ist für viele der eigentliche Grund, überhaupt mit dem Kartieren anzufangen.

Bei der Motorbezeichnung lohnt ein Blick aufs Baujahr: Die Technik hiess bis 2023 i-Pilot Link; Humminbird führt diese Motoren heute als Altbestand. Die aktuelle Generation heißt Advanced GPS. Das automatische Abfahren von Konturen beherrschen beide – wer gebraucht kauft, sollte die Bezeichnung aber kennen, um nicht am falschen Ende zu suchen.

Häufige Fragen zu Humminbird AutoChart

Fürs Aufzeichnen und Anzeigen reicht das Echolot mit einer Zero-Line-Karte. Die PC-Software brauchst du, wenn du deine Aufzeichnungen nachbearbeiten, mehrere Touren zusammenführen oder alte Sonardateien in Karten verwandeln willst. Sie ist außerdem der einzige Weg, deine AutoChart-Daten am Rechner anzusehen.

Aufzeichnen ja, sofern es eine GPS-Variante ab der zweiten Generation ist. Für die direkte Teilnahme an der Community ist die HELIX 5 aber nicht vorgesehen – Humminbird führt sie in der Liste der kompatiblen Geräte nicht auf. Herunterladen und Ansehen der Gemeinschaftskarte funktioniert trotzdem, und Trackdateien lassen sich ebenfalls beisteuern.

Vier Formate: .ACU aus der Aufzeichnung am Gerät, .ACD aus der AutoChart-PC-Software sowie die Trackformate .HT von HELIX und älteren Geräten und .GPX von SOLIX und ONIX.

Nicht direkt. Die großen Sonardateien, die dein Gerät beim Mitschneiden anlegt, nimmt die Plattform nicht an. Mit der AutoChart-PC-Software kannst du sie aber einlesen und in ein akzeptiertes Format exportieren – damit werden auch alte Aufzeichnungen noch verwertbar.

Nein. Über die Community werden ausschließlich Tiefendaten ausgetauscht. Bodenhärte- und Vegetationsebenen bleiben auf deiner eigenen Karte und lassen sich weder hochladen noch von anderen beziehen.

Ja, ausnahmslos. Eine private Ablage gibt es nicht. Alles, was du hochlädst, geht in die weltweite Gemeinschaftskarte und ist für andere sichtbar und herunterladbar. Wer eine Stelle für sich behalten will, nutzt sie lokal und lädt sie nicht hoch.

Nein. Die Datei wird unverändert auf die Zero-Line-Karte kopiert – nicht entpacken und nicht in einen Unterordner legen. Das Echolot packt sie beim Einstecken selbst aus und sortiert die Inhalte richtig ein.

Du brauchst ein kostenloses Humminbird-Konto – dasselbe, mit dem du dich auch in der One-Boat-Network-App anmeldest. Wer bereits eins hat, meldet sich einfach an; der Bereich für den Kartentausch ist dort enthalten.

Womit anfangen?

Wenn dein Gerät die Funktion mitbringt, kostet der erste Versuch nichts: Aufzeichnung starten, eine Runde über deine Hausstelle fahren, ansehen. Die acht Stunden im internen Speicher sind genau dafür gedacht. Gefällt dir das Ergebnis, ist die Zero-Line-Karte der nächste Schritt – ohne sie ist bei acht Stunden Schluss.

Wer regelmäßig kartiert oder mehrere Touren zu einer sauberen Karte zusammenbauen will, kommt an der Kartensoftware nicht vorbei. Fragen zur Auswahl beantworten wir gern – schreib uns einfach.