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Wie die Kartenplattform von Humminbird funktioniert – vom Sonarpiepser bis zur fertigen Tiefenkarte.
Kurz gesagt: AutoChart ist Humminbirds System, mit dem du aus den Sonarechos deines eigenen Echolots eine Tiefenkarte deines Gewässers baust – auch dort, wo es keine fertige Seekarte gibt. Das System hat drei Teile: die Aufnahme direkt am Gerät, die PC-Software zum Nachbearbeiten und eine kostenlose Online-Plattform namens LiveShare, über die Angler ihre Tiefendaten miteinander tauschen.
Bei uns in Europa ist das Thema noch ziemlich unbekannt. Wer ein passendes Humminbird auf dem Boot hat, verschenkt damit oft die interessanteste Funktion des Geräts – und die Möglichkeit, für einen See eine Karte zu bekommen, die es sonst nirgends gibt. Dieser Artikel erklärt den kompletten Weg der Daten: was wo entsteht, was du brauchst, und wo die Grenzen liegen.
Dein Echolot misst beim Fahren ohnehin permanent die Tiefe und weiß über GPS, wo es gerade ist. AutoChart nimmt genau diese zwei Informationen und macht daraus Tiefenlinien – eine Karte deines Gewässers, aufgenommen von deinem Boot.
Das System besteht aus drei Bausteinen, die oft durcheinandergeworfen werden:
Der entscheidende Punkt: Diese drei Bausteine haben unterschiedliche Voraussetzungen. Ein Gerät, das aufzeichnen kann, darf nicht automatisch an der Community teilnehmen – dazu weiter unten mehr.
Wenn du einmal verstanden hast, wo die Daten unterwegs liegen, erklären sich die meisten Fragen von selbst. Der Weg sieht so aus:
Auffällig daran: Die Zero-Line-Karte ist an jeder Station beteiligt. Sie ist nicht optionales Zubehör, sondern das Transportmittel für alles, was AutoChart macht. Ohne sie bleibt jede Aufzeichnung im Gerät gefangen – und zwar nur für begrenzte Zeit.
Der interne Speicher deines Echolots fasst acht Stunden Aufzeichnung. Humminbird versteht das ausdrücklich als kostenlose Testphase – damit du die Funktion ausprobieren kannst, bevor du Geld ausgibst.
Sind die acht Stunden voll, meldet sich das Gerät. Dann hast du genau zwei Möglichkeiten: Aufzeichnung beenden, oder alle acht Stunden komplett löschen und von vorn anfangen. Einzelne Touren herauspicken geht nicht. Wer ein größeres Gewässer systematisch vermisst, ist damit schnell am Ende.
Mit eingesteckter Zero-Line-Karte läuft das anders: Die Aufzeichnungen wandern auf die Karte, der interne Speicher ist wieder frei, und du hast erneut acht Stunden. Das lässt sich beliebig wiederholen. Nebeneffekt: Über denselben Weg bekommst du deine Daten auch auf ein zweites Gerät, das AutoChart unterstützt.
Kleiner Hinweis fürs Budget: Beim Kauf von AutoChart oder AutoChart PRO liegt eine Zero-Line-Karte bereits bei. Wer mit der Software einsteigt, muss sie also nicht separat kaufen – eine zweite Karte kann sich trotzdem lohnen, etwa als Sicherung oder fürs zweite Echolot.
Das ist für die meisten der interessantere Weg: nachsehen, ob jemand anders dein Gewässer schon abgefahren hat. Der Dienst liegt auf ChartSelect, Humminbirds Kartenportal. Du meldest dich dort mit deinem Humminbird-Konto an – dasselbe Konto, mit dem du dich auch in der One-Boat-Network-App anmeldest. Wer noch keins hat, legt es kostenlos an.
Nicht entpacken. Die Datei kommt als Archiv. Das bleibt so, wie es ist – dein Echolot packt sie beim Einstecken selbst aus und legt die Inhalte an die richtige Stelle.
Nicht in einen Unterordner legen. Die Datei gehört direkt auf die Karte, nicht in einen der vorhandenen Ordner. Wer sie einsortiert, wundert sich hinterher, warum nichts angezeigt wird.
Danach wählst du am Gerät AutoChart als Kartenquelle aus, und die Konturen aus der Community liegen über deiner Ansicht.
Der umgekehrte Weg: Du steckst deine Zero-Line-Karte in den Kartenleser am Rechner, meldest dich bei ChartSelect an und lädst deine Dateien über den Bereich für eigene Daten hoch. Nach spätestens einer Viertelstunde sind sie in die Gemeinschaftskarte eingerechnet.
Die beiden Track-Formate sind der Grund, warum auch Besitzer nicht-kompatibler Geräte mitmachen können: Ein aufgezeichneter Track enthält Tiefe und Position, und mehr braucht die Plattform nicht.
Die großen Sonardateien, die dein Gerät beim Mitschneiden anlegt, kannst du nicht hochladen. Wer die PC-Software besitzt, hat aber einen Umweg: Sie liest diese Dateien ein und exportiert sie in ein Format, das die Plattform annimmt. Damit lassen sich auch alte Aufzeichnungen aus der Schublade noch in Karten verwandeln.
Das gehört klar gesagt: Eine private Ablage gibt es nicht. Jeder Upload geht an die weltweite Gemeinschaftskarte und ist für alle sichtbar und herunterladbar. Wer seine Hausstelle für sich behalten will, lädt sie nicht hoch – die Daten lokal auf Karte und Rechner zu nutzen, geht selbstverständlich trotzdem.
Hier wird es für viele überraschend: Über die Community werden ausschließlich Tiefendaten ausgetauscht. Nichts anderes.
Dein Echolot nimmt beim Kartieren mehr auf als nur die Tiefe – je nach Gerät auch die Bodenhärte und die Vegetation. Beides sind Ebenen, die man beim Angeln gern hätte: Wo ist Hartgrund, wo steht Kraut. Genau diese beiden Ebenen bleiben aber lokal. Sie lassen sich weder hochladen noch von anderen herunterladen.
Praktisch heißt das: Eine heruntergeladene Gemeinschaftskarte gibt dir die Tiefenstruktur eines fremden Gewässers, aber kein Bild vom Untergrund. Wer Bodenhärte und Vegetation für seine Stellen haben will, muss selbst rausfahren und aufzeichnen – und dafür ein Gerät haben, das diese Ebenen direkt auf die Karte schreiben kann.
Das ist kein Mangel, sondern nachvollziehbar: Tiefendaten sind zwischen Booten vergleichbar, Härte- und Krautwerte hängen stark von Geber, Einstellungen und Jahreszeit ab. Ein Krautfeld im Mai sieht im September anders aus.
Das ist der Punkt, an dem die meisten Missverständnisse entstehen – weil zwei verschiedene Gerätelisten im Spiel sind. Ein Echolot kann durchaus aufzeichnen und trotzdem nicht an der Community teilnehmen.
Die Aufnahmefunktion steckt in einer ganzen Reihe Geräte: APEX, SOLIX, ONIX und ION, die HELIX-Modelle 8 bis 15 sowie die GPS-Varianten der HELIX 7 und HELIX 5 ab der zweiten Generation. Auch ältere Geräte sind also dabei.
Ob deine Aufzeichnungen dann direkt auf die Zero-Line-Karte geschrieben werden können – und damit auch Bodenhärte und Vegetation –, ist noch einmal eine eigene Frage. Die vollständige Übersicht dazu steht auf der Produktseite der Zero-Line-Karte, inklusive Tabelle nach Serien.
Hier ist der Kreis kleiner. Humminbird nennt dafür die Serien APEX, SOLIX und ONIX, alle HELIX-Modelle von 8 bis 15 sowie die GPS-fähigen HELIX 7 in den vernetzbaren Ausführungen. Eine Zero-Line-Karte muss in jedem Fall stecken.
Die HELIX 5 taucht hier nicht auf. Wer eine hat, kann also sein Gewässer aufzeichnen und die Karte am eigenen Gerät nutzen – der direkte Weg in die Community steht ihm aber nicht offen. Das ist keine Einstellungssache und lässt sich auch nicht per Update lösen.
Der Ausweg für alle, deren Gerät nicht auf der Liste steht: Trackdateien. Die kann praktisch jedes GPS-fähige Humminbird aufzeichnen, und sie werden von der Plattform angenommen. Der Beitrag ist etwas gröber als eine echte Kartierung, aber er zählt – und Herunterladen und Ansehen der Gemeinschaftskarte funktioniert ohnehin für jeden mit Konto.
Welche Geräte aktuell im Programm sind und was sie können, findest du in der Übersicht der Humminbird Kartensoftware.
Eine selbst erstellte Karte ist nicht nur zum Anschauen da. Ist ein vernetzter Minn-Kota-Bugmotor an Bord, kann der eine Tiefenlinie selbstständig abfahren. Du wählst die Linie auf dem Echolot aus, der Motor hält sie – in beide Richtungen, auf Wunsch mit festem Abstand, damit du bequem darauf werfen kannst.
Das Interessante daran: Diese Funktion braucht eine Karte mit Tiefenlinien. Auf einem Gewässer ohne fertige Seekarte lief bis dahin gar nichts. Mit einer selbst aufgenommenen AutoChart-Karte funktioniert sie auch dort – das ist für viele der eigentliche Grund, überhaupt mit dem Kartieren anzufangen.
Bei der Motorbezeichnung lohnt ein Blick aufs Baujahr: Die Technik hiess bis 2023 i-Pilot Link; Humminbird führt diese Motoren heute als Altbestand. Die aktuelle Generation heißt Advanced GPS. Das automatische Abfahren von Konturen beherrschen beide – wer gebraucht kauft, sollte die Bezeichnung aber kennen, um nicht am falschen Ende zu suchen.
Brauche ich die PC-Software, oder reicht das Echolot allein?
Fürs Aufzeichnen und Anzeigen reicht das Echolot mit einer Zero-Line-Karte. Die PC-Software brauchst du, wenn du deine Aufzeichnungen nachbearbeiten, mehrere Touren zusammenführen oder alte Sonardateien in Karten verwandeln willst. Sie ist außerdem der einzige Weg, deine AutoChart-Daten am Rechner anzusehen.
Kann ich mit einer HELIX 5 mitmachen?
Aufzeichnen ja, sofern es eine GPS-Variante ab der zweiten Generation ist. Für die direkte Teilnahme an der Community ist die HELIX 5 aber nicht vorgesehen – Humminbird führt sie in der Liste der kompatiblen Geräte nicht auf. Herunterladen und Ansehen der Gemeinschaftskarte funktioniert trotzdem, und Trackdateien lassen sich ebenfalls beisteuern.
Welche Dateien kann ich hochladen?
Vier Formate: .ACU aus der Aufzeichnung am Gerät, .ACD aus der AutoChart-PC-Software sowie die Trackformate .HT von HELIX und älteren Geräten und .GPX von SOLIX und ONIX.
Kann ich rohe Sonaraufzeichnungen hochladen?
Nicht direkt. Die großen Sonardateien, die dein Gerät beim Mitschneiden anlegt, nimmt die Plattform nicht an. Mit der AutoChart-PC-Software kannst du sie aber einlesen und in ein akzeptiertes Format exportieren – damit werden auch alte Aufzeichnungen noch verwertbar.
Werden Bodenhärte und Vegetation mitgeteilt?
Nein. Über die Community werden ausschließlich Tiefendaten ausgetauscht. Bodenhärte- und Vegetationsebenen bleiben auf deiner eigenen Karte und lassen sich weder hochladen noch von anderen beziehen.
Sind meine Uploads öffentlich?
Ja, ausnahmslos. Eine private Ablage gibt es nicht. Alles, was du hochlädst, geht in die weltweite Gemeinschaftskarte und ist für andere sichtbar und herunterladbar. Wer eine Stelle für sich behalten will, nutzt sie lokal und lädt sie nicht hoch.
Muss ich die heruntergeladene Datei entpacken?
Nein. Die Datei wird unverändert auf die Zero-Line-Karte kopiert – nicht entpacken und nicht in einen Unterordner legen. Das Echolot packt sie beim Einstecken selbst aus und sortiert die Inhalte richtig ein.
Brauche ich ein eigenes Konto für den Kartentausch?
Du brauchst ein kostenloses Humminbird-Konto – dasselbe, mit dem du dich auch in der One-Boat-Network-App anmeldest. Wer bereits eins hat, meldet sich einfach an; der Bereich für den Kartentausch ist dort enthalten.
Wenn dein Gerät die Funktion mitbringt, kostet der erste Versuch nichts: Aufzeichnung starten, eine Runde über deine Hausstelle fahren, ansehen. Die acht Stunden im internen Speicher sind genau dafür gedacht. Gefällt dir das Ergebnis, ist die Zero-Line-Karte der nächste Schritt – ohne sie ist bei acht Stunden Schluss.
Wer regelmäßig kartiert oder mehrere Touren zu einer sauberen Karte zusammenbauen will, kommt an der Kartensoftware nicht vorbei. Fragen zur Auswahl beantworten wir gern – schreib uns einfach.